Freitag, 27. März 2015

Faszinierende Geschichte

Joe Haldeman: Soldierboy

2043: Die Allianz der Industriestaaten befindet sich im Krieg mit den Rebellen der dritten Welt, den sogenannten Ngumi. Es ist ein Krieg um Ressourcen, um das „Haben“ und „Nicht-Haben“. Denn die Industriestaaten sind im Besitz von Nanoschmieden, mit denen sie alles herstellen können, wenn das entsprechende Rohmaterial vorhanden ist. Die Allianz schickt die sogenannte „Soldierboys“ in die Kriegsgebiete, die von Operatoren mental ferngesteuert werden. Einer dieser Operatoren ist Julian Class. Doch die „Soldierboys“ tragen ein Mittel in sich um den Krieg zu beenden, wäre da nicht das Jupiter-Projekt, dass die ersten Sekunden des Urknalls erforschen will, welches die Existenz des ganzes Sonnensystems bedroht.

Bei dem hier vorliegenden Werk von Joe Haldeman handelt es sich um eine Neuübersetzung von dem 1997 erschienenen „Forever Peace“. Haldemans Werk wurde 1998 mit dem Nebula Award, dem Hugo Award und dem John W. Campbell Memorial Award ausgezeichnet.
Der Roman wird hauptsächlich in der Ich-Perspektive aus Sicht des Protagonisten Julian Class erzählt. Immer wieder schreitet aber ein auktorialer Erzähler in die Handlung ein, was einen erklärenden Charakter erhält und uns Informationen liefern kann, die wir aus Julians Sichtweise nicht bekommen könnten.
Julian Class, selbst Operator eines Soldierboys, aber auch studierter Physiker, ist unfreiwillig Teil dieses Krieges. Dem Leser wird immer wieder verdeutlicht, dass ihn die Schrecken des Krieges nicht loslassen, die er durch die Kriegsroboter erlebt und auch durch die Gedanken der anderen Operatoren, während sie mental verbunden sind. Sofern er nicht gerade als Operator dienen muss, lehrt er an der Universität in Texas oder arbeitet mit seiner Kollegin und Geliebten Amelia Blaze Harding am Jupiter-Projekt.
Joe Haldeman, der selbst als Soldat in Vietnam war, zeigt in seinem Roman deutlich die Schrecken des Krieges, welche Unruhen sie in den Soldaten auslösen können. Denn durch Julian Class bekommen wir als Leser sehr gut vor Augen geführt, was den Soldaten durch den Kopf geht, auch wenn sie durch den Soldierboy vom eigentlich Kriegsgeschehen hunderte von Kilometern entfernt sind, so lässt es die meisten Operator doch nicht kalt.
Weiterhin gibt es nicht nur die Rebellen, die gegen die Allianz kämpfen, sondern auch noch die Endzeitfanatiker. Eine besonders erschreckende Gruppierung bildet hier der „Hammer Gottes“, die vor keinen Mitteln zurück schrecken, nicht einmal vor Menschenleben, um ihre Ziele zu erreichen und in vielen Führungsetagen unerkannt sitzen. So ist es für sie natürlich ein gefundenes Fressen, dass das Jupiter-Projekt tatsächlich zu einer Endzeit führen kann und sie setzten alles in Bewegung, dass dies auch tatsächlich eintritt.
Dass am Ende gerade die Soldierboys ein Mittel liefern, den Krieg zu beenden, scheint schon beinahe unglaublich. So erscheint mir das Ende etwas übertrieben, fast schon unglaubhaft und beinahe fragwürdig. Fassunglos fragte ich mich, ob dieser Friede tatsächlich, wie es der Originaltitel sagt, ein ewiger Friede sein kann, oder wird es irgendwann dennoch wieder zu Unruhen kommen?

Insgesamt gefiel mir „Soldierboy“ von Joe Haldeman sehr gut. Dieses Werk regt zum Nachdenken kann, es ist interessant, spannend und einfach mal anders. Doch am Ende fragte ich mich dennoch, ob diese Lösung zur Beendigung des Krieges wirklich die richtige Entscheidung war und verbleibe wohl bei einem „Nein“.

Bewertung: 5 von 5 Sternen


Ein ganz liebes Dank geht an den Mantikore Verlag, der mir dieses Rezensionsexemplar für die Leserunde auf Lovelybooks zur Verfügung gestellt hat.

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