Montag, 8. Oktober 2018

Katherine Addison: Der Winterkaiser [Rezension]

Viel Charakterentwicklung, wenig Fantasy

Der Winterkaiser
Maia, der ungeliebte Sohn der ungeliebten vierten Frau des Kaisers des Elfenreiches, lebt und wächst in der Verbannung unter „ärmlichen“ Verhältnissen auf. Ein Bote überbringt ihm die Nachricht, dass sein Vater und all seine älteren Geschwister bei einem tragischen Unglück ums Leben kamen und er somit der nächste Kaiser ist. Von nun an muss Maia sehr schnell lernen, wem er am Hof trauen kann, wie die Staatsgeschäfte zu leiten sind und welche Intrige ihn als nächstes opfern möchte.

Katherine Addison schafft es einen intelligenten, witzigen und auch spannenden Einstand eines „Barbaren“ als Kaiser zu schreiben. Die Welt, die Addison hier gestaltet, spielt im Rahmen eines scheinbar „frühen“ Industriezeitalters. Weiterhin hat sie den Aufwand betrieben, sich die Namen und Titel selbst auszudenken.
Die Charaktere sind schlüssig in ihrer Motivation und ihrem Verhalten. Gelegentlich verliebt sich die Autorin in die Details einiger Zeremonien, Vorgänge oder Kleidung. Dennoch gelingt es ihr, dem Leser all die Verwirrungen und Schwierigkeiten mitzugeben, die dem Protagonisten das Leben schwer machen. Manchmal wird diese Verwirrung des Protagonisten nur zu deutlich, wenn auf einer Seite das dritte Mal die „gleiche“ Anrede mit einzelnen veränderten Buchstaben benutzt wird. Liebhaber der romanischen Sprachen werden es hier einfacher haben.
Letztendlich spielt die Welt, die Magie sowie die Rassen eine deutlich untergeordnete Rolle. Wichtig ist hierbei sicherlich nur der Rassenunterschied zu den Nachbarn und die Tatsache, dass die Geschichte in einem (frühen) Industriezeitalter spielt. Meines Erachtens hat sich die Autorin mit dem gewählten Hintergrund keinen Gefallen getan, auch wenn sie sich so mögliche Recherchen erspart hat. Magie findet auf den gut 500 Seiten gefühlt lediglich drei Mal Erwähnung. Im Grunde gibt es auch nur zwei Rassen im Buch, Elfen und Goblins. Diese unterscheiden sich allerdings nur durch Körpergröße, Haut- und Augenfarbe. Die Fantasy bleibt für einen Roman dieses Genres leider deutlich zurück und ist im Grunde nur in der Beschreibung des Palastes, der Kleidung, Namen und Ohren zu finden.

Aufgrund der überzeugenden Charakterentwicklung konnte mich „Der Winterkaiser“ von Katherine Addison gut unterhalten. Trotz wenig Fantasy brachte mir der Roman kurzweile und humorvolle Lesestunden.

Bewertung: ★★★★☆


Infos zum Buch:

Autor: Katherine Addison
Titel: Der Winterkaiser
Originaltitel: The Goblin Emperor
Verlag: FISCHER Tor
Erscheinungsdatum: 13.10.2016
Fantasy, 544 Seiten

Ausgaben:
ISBN: 978-3-59-603618-9 (Paperback)*
ISBN: 978-3-10-403758-5 (E-Book)

* nur noch gebraucht erhältlich

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